Arbeitsweise der Koordinierungsstelle Jugendbeteiligung in Klimafragen

Die Koordinierungsstelle unterstützt bundesweit aktive Jugendverbände und -organisationen dabei, sich in klimapolitische Prozesse auf Bundesebene einzubringen. Sie schafft Zugänge zu relevanten politischen Prozessen, unterstützt die gemeinsame inhaltliche Arbeit und fungiert als kommunikative und organisatorische Schnittstelle zwischen den beteiligten Organisationen und dem Bundesumweltministerium.

Wie die Beteiligung konkret funktioniert, richtet sich nach dem jeweiligen Thema und politischen Prozess.

Beteiligungsverständnis

Die Beteiligung in der Koordinierungsstelle baut auf den selbstorganisierten und demokratischen Strukturen junger Menschen auf. Bundesweit aktive Jugendverbände und -organisationen bringen ihre Perspektiven und in ihren eigenen Strukturen entwickelten Positionen in die gemeinsamen Prozesse ein.

Die Organisationen entscheiden selbst, zu welchen Themen sie sich beteiligen und wer sie dabei vertritt. In der Koordinierungsstelle treffen unterschiedliche verbandliche Perspektiven aufeinander, werden diskutiert und – wo möglich – zu gemeinsamen Positionen und Forderungen weiterentwickelt. So werden nicht nur individuelle Meinungen abgefragt, sondern die Interessen und Perspektiven vieler junger Menschen gebündelt und in politische Prozesse eingebracht.

Jugendbeteiligung entfaltet eine besondere Stärke, wenn sie auf bestehenden selbstorganisierten Strukturen junger Menschen aufbaut. In Jugendverbänden und -organisationen werden Positionen gemeinsam entwickelt, in demokratischen Verfahren ausgehandelt und innerhalb der jeweiligen Strukturen rückgekoppelt.

In der Koordinierungsstelle kommen diese bereits innerhalb der Organisationen entwickelten Perspektiven zusammen. Im Austausch zwischen unterschiedlichen Jugendverbänden und -organisationen werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar, Positionen weiterentwickelt und Kompromisse ausgehandelt. So können gemeinsame Anliegen entstehen, die unterschiedliche Lebensrealitäten und Perspektiven junger Menschen zusammenführen und mit klarer Aussagekraft in politische Prozesse eingebracht werden.

Dieser Ansatz benötigt Zeit für Austausch und Rückkopplung. Gleichzeitig ermöglicht er eine Beteiligung, die über die persönliche Perspektive einzelner Teilnehmer*innen hinausgeht und an die demokratisch legitimierten Interessenvertretungsstrukturen junger Menschen anknüpft.

Die Koordinierungsstelle richtet sich an bundesweit aktive Jugendverbände und -organisationen. Die beteiligten Organisationen entscheiden selbst, zu welchen Themen sie sich einbringen und wer sie in den jeweiligen Beteiligungsprozessen vertritt.

Bewusst gibt es dabei keine Vorgaben oder Quoten seitens der Koordinierungsstelle, welche Personen für einen Verband oder eine Organisation sprechen. Die Auswahl der Vertreter*innen liegt in der Selbstorganisation der jeweiligen Jugendverbände und -organisationen.

Gleichzeitig setzt sich die Koordinierungsstelle dafür ein, Organisationen mit unterschiedlichen Hintergründen, Themenschwerpunkten und Perspektiven einzubeziehen.

Jugendbeteiligung auf Bundesebene ist voraussetzungsvoll. Politische Prozesse sind häufig komplex, Beteiligungsfenster kurz und die Mitarbeit erfordert insbesondere von ehrenamtlich Engagierten Zeit und Ressourcen.

Die Koordinierungsstelle schafft deshalb Unterstützungsstrukturen: Sie bereitet Informationen auf, organisiert fachliche Briefings, begleitet Arbeitsprozesse und schafft Räume für Austausch und Vernetzung. Damit sollen auch junge Engagierte Beteiligungsmöglichkeiten nutzen können, die bislang wenig Erfahrung mit klimapolitischen Prozessen auf Bundesebene haben.

Für Präsenztermine im Rahmen der Koordinierungsstelle werden Fahrt- und Übernachtungskosten der Teilnehmenden übernommen.

Wie werden Themen und Schwerpunkte festgelegt?

Welche klimapolitischen Themen und aktuellen Prozesse die beteiligten Verbände und Organisationen bearbeiten, hängt vor allem von zwei Fragen ab:

1. Welche Themen beschäftigen junge Menschen?
Wo möchten sie sich einbringen und Veränderungen anstoßen?

2. Welche politischen Prozesse stehen an?
Wo bestehen konkrete Beteiligungs- und Einflussmöglichkeiten, etwa im Rahmen von Konsultationen, Verbändeanhörungen oder anderen Beteiligungsverfahren?

Idealerweise überschneiden sich beide Perspektiven. Wenn Anliegen junger Menschen an laufende politische Prozesse anknüpfen, steigen die Möglichkeiten, tatsächlich Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen. Gleichzeitig kann es wichtig und notwendig sein, eigene Themen auf die politische Agenda zu setzen – auch wenn dafür zunächst noch keine konkreten Beteiligungsprozesse vorgesehen sind.

Die Koordinierungsstelle informiert die Beteiligten deshalb über aktuelle klimapolitische Entwicklungen, anstehende Prozesse und mögliche Beteiligungsfenster. Auf dieser Grundlage entscheiden die beteiligten Jugendverbände und -organisationen über die inhaltlichen Schwerpunkte ihrer gemeinsamen Arbeit.

Eine besondere Rolle übernimmt dabei die AG Strategische Ausrichtung. In ihr kommen zweimal im Jahr Bundesvorstände beziehungsweise vertretungsberechtigte Personen der beteiligten Jugendverbände und -organisationen zusammen. Neben der inhaltlichen Schwerpunktsetzung berät die AG über die strukturelle Weiterentwicklung des Jugendbeteiligungsformats.

So entscheiden die jungen Engagierten und ihre Organisationen selbst, zu welchen Themen sie aktiv werden und wie sie ihre Beteiligung gestalten. Gleichzeitig erhalten sie die notwendigen Informationen, um ihre Beteiligung möglichst gezielt und wirksam auszurichten.

Woran arbeiten wir aktuell? → Zu unseren Themen und Schwerpunkten

So läuft Beteiligung ab

Je nach Thema und politischem Prozess kann die konkrete Beteiligung unterschiedlich aussehen. Grundsätzlich verbindet die Koordinierungsstelle Wissensaufbau und Austausch mit gemeinsamer Positionsentwicklung und dem direkten Zugang zu klimapolitischen Entscheidungsprozessen.

1. Informieren und einarbeiten

Die Koordinierungsstelle informiert über aktuelle klimapolitische Entwicklungen, anstehende politische Prozesse und konkrete Beteiligungsmöglichkeiten. Fachliche Briefings und aufbereitete Informationen unterstützen die Beteiligten dabei, sich auch in komplexe Themen einzuarbeiten und eine gemeinsame Wissensgrundlage zu schaffen.

Zum Beteiligungsverständnis der Koordinierungsstelle gehört es, fachliche und ministerielle Expertise für junge Verbandsvertreter*innen zugänglich zu machen und sie bei der inhaltlichen Einarbeitung in klimapolitische Themen zu unterstützen. Dafür organisiert die Koordinierungsstelle Briefings mit Expert*innen aus Ministerien, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Auf einen fachlichen Input folgen Raum für Fragen, Austausch und Diskussion.

Briefings gab es unter anderem mit

  • verschiedenen Fachreferaten des Umweltministerium szu ihren Arbeitsbereichen,
  • ZukunftKlimaSozial zur sozialen Flankierung des EU-ETS 2,
  • Agora Energiewende zu Energiewende, Strompreis und Gebäuden,
  • dem zuständigen BMUKN-Referat zum Klimaschutzprogramm 2026,
  • dem Deutschen Naturschutzring zu Klimainvestitionen,
  • der Klima-Allianz Deutschland zu den klimapolitischen Inhalten des Koalitionsvertrags,
  • GermanZero zum Treibhausgas-Budget,
  • dem Institut für Klimasozialpolitik zum Klima-Sozialfonds sowie
  • dem damaligen Pressesprecher des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz zu seiner Arbeit.

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2. Austauschen und Positionen entwickeln

Die beteiligten Jugendverbände und -organisationen bringen ihre unterschiedlichen Perspektiven in die gemeinsame Arbeit ein. In thematischen Arbeitsgruppen werden diese diskutiert und – wo möglich – zu gemeinsamen Positionen und Forderungen weiterentwickelt.

Die Beteiligten arbeiten sich gemeinsam in ein Thema ein, bringen die Positionen ihrer Organisationen ein und diskutieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Ziel ist nicht, unterschiedliche Perspektiven unsichtbar zu machen, sondern dort gemeinsame Forderungen zu entwickeln, wo dies möglich ist.

In den Arbeitsgruppen entstandene Positions- und Forderungspapiere können anschließend von den beteiligten und weiteren interessierten Jugendverbänden und -organisationen kommentiert und unterzeichnet werden, bevor sie gezielt in politische Prozesse eingebracht werden.

→ Zu den Positionen und Forderungspapieren

3. In politische Prozesse einbringen

Die erarbeiteten Perspektiven, Positionen und Forderungen werden in klimapolitische Prozesse eingebracht. Dafür organisiert die Koordinierungsstelle Gespräche mit der Entscheidungs- und Arbeitsebene des BMUKN und eröffnet Zugänge zu bestehenden Fach-, Verbände- und Beteiligungsformaten.

Junge Verbandsvertreter*innen können ihre Perspektiven und Forderungen in Gesprächen mit politischen Entscheidungsträger*innen und Mitarbeitenden des Ministeriums unmittelbar diskutieren.

Daneben ermöglicht die Koordinierungsstelle die Teilnahme an regulären Fach- und Verbändegesprächen des Ministeriums sowie an weiteren relevanten Beteiligungsformaten und Veranstaltungen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Ziel ist es, bestehende Beteiligungsräume für die junge organisierte Zivilgesellschaft zu öffnen und junge Vertreter*innen darin zu stärken, ihre Anliegen selbst einzubringen.

 

4. Rückkoppeln und weiterarbeiten

Die Vertreter*innen sind in die Strukturen ihrer jeweiligen Jugendverbände und -organisationen eingebunden. Informationen und Ergebnisse können dadurch in die eigenen Strukturen zurückgetragen werden. Gleichzeitig fließen Rückmeldungen, neue Positionen und Entwicklungen wieder in die gemeinsame Arbeit der Koordinierungsstelle ein.

Die Koordinierungsstelle versteht Jugendbeteiligung als erfahrungsoffenen, lernenden Prozess. Offene Feedbackmöglichkeiten, regelmäßige Check-ins und Evaluationen helfen dabei, Formate und Strukturen auf Grundlage der Erfahrungen der Beteiligten weiterzuentwickeln.

Auch die AG Strategische Ausrichtung berät regelmäßig über die strukturelle Weiterentwicklung des Beteiligungsformats. Die systematische Auswertung orientiert sich unter anderem an den Qualitätsstandards für Kinder- und Jugendbeteiligung.
 

Vernetzung als Grundlage

Die Koordinierungsstelle schafft darüber hinaus Räume für die Vernetzung von Jugendverbänden und -organisationen untereinander sowie mit klimapolitischen Akteur*innen aus Ministerium, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Der kontinuierliche Austausch hilft dabei, Wissen zu teilen, gemeinsame Interessen zu erkennen und frühzeitig an relevante politische Prozesse anzuknüpfen.